Antigewalttrainings für jedermann?!

"Was du nicht willst, das man dir tu'..." Was empfindest du als Gewalt? Mache hier einen kurzen Schnelltest mit deinem Partner.

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von Achim Rackel

Antigewalttrainings

Geht ein Antigewalttraining alle was an?

Da ich Trainer und Dozent für Antigewalttrainings bin und seit vielen Jahren Menschen zum Trainer ausbilde, werde ich häufig gefragt: „Was ist eigentlich ein Antigewalttraining?“ Darauf kann ich gelassen antworten: „Antigewalttrainings dienen dazu, Menschen in Beziehungen und Gemeinschaften zu führen, um glücklicher zu werden.“ Erstaunt werde ich dann mit fragenden Augen angeschaut: „Hhmm, ich dachte die sind ausschließlich was für aggressive Straftäter und Jugendliche.“ Meine Antwort darauf ist dann: „Ja, auch.“

Landläufig scheint wohl die Meinung zu bestehen, dass eine Ausbildung zum Antigewalttrainer ausschließlich dem Umgang mit Straftätern, pathologisch aggressiven Menschen und aufmüpfigen Kindern und Jugendlichen vorbehalten sei. Wenn Sie gleichfalls dieser Auffassung sind, dann brauchen Sie hier nicht weiterzulesen.

 

Unterschiedliche Definitionen von Gewalt

Einige Blogbeiträge zuvor habe ich über die „fünf inneren Dämonen der Gewalt“ geschrieben, die uns alle betreffen können. Wie hießen sie noch gleich? „Dominanz, Rache, Raublust, Sadismus und Ideologien“ (nach Steven Pinker). Finden Sie darunter einen „Dämon“, der Sie mal persönlich betroffen hat?

In diesem Beitrag möchte ich Sie anregen zu versuchen eine Definition von Gewalt zu formulieren bzw. zu finden. Denn scheinbar fühlen sich nur wenige Menschen persönlich von Gewalt betroffen, wenn nicht gerade „Mord und Totschlag“ geschieht.

Hierzu sind Sie zu einem kleinen Selbsttest mit einer Gruppe eingeladen. Stellen Sie sich bitte die Frage: Was empfinde ich als Gewalt?

 

Testen Sie sich einmal auf einer Gewalt-Skala von 0% bis 100% an welcher Stelle sie folgende Begriffe als gewaltträchtig einordnen: 0% = keine Gewalt < > 100% = gänzliche Gewalt.   

Sie benötigen zwei Zettel jeweils mit der Aufschrift „0% Gewalt“ und „100% Gewalt“. Diese beiden Zettel bilden die Skala. Legen Sie die Zettel in angemessen Abstand auf dem Tisch oder besser noch auf dem Boden aus. Jeder Teilnehmer zieht sich nun aus einem Stapel von vorbereiteten Zetteln z.B. 2 bis 3 Zettel, die mit Begriffen beschriftet sind, welche mit Gewalt zu tun haben könnten oder auch nicht.

Hier einige Beispielbegriffe zur Inspiration: heftiges Fluchen, Lockdowngegner, Salafisten, Zeugnisse, Ignoranz, Hamsterrad, Boxer, Knutschfleck, Mäusefalle, Einbrecher, Klapps aufs Hinterteil, heroischer Chef, Sarkasmus, Soldaten, sich lustig machen, Prostituierte, Beurteilen, Kritisieren, Bestrafen u.v.m. … Sie können selbstverständlich zahlreiche eigene Begriffe kreieren und hinzuzufügen.

Im nächsten Schritt legt jeder, ohne lange zu überlegen und ohne wenn-und-aber aus dem Bauchgefühl heraus, seine gezogenen Begriffe in der Skala von „0%“ bis „100%“ aus und ordnet seinen Begriffen damit eine prozentuale Gewaltmäßigkeit zu.

Danach nehmen sich alle Beteiligten ausreichend Zeit und schauen sich die ausgelegten Begriffe an. Nun bekommt jeder Teilnehmer die Möglichkeit Begriffe der anderen Teilnehmer in der Skala zu verschieben, dahin wo er meint diesen Begriff prozentual einzuordnen.

Sind in Ihrem Teilnehmerkreis Begriffszettel verschoben worden? Diskutieren und argumentieren Sie nun wieso welcher Begriff wohin verschoben wurde und finden Sie zum Abschluss gemeinsam eine Definition zu dem Begriff „Gewalt“ heraus. Kommen Sie auf einen gemeinsamen Nenner? Welche besonderen Eigenarten beinhaltet Ihre Gewaltdefinition? Wenn Ja, was sagt uns diese Definition?

Wenn in Ihrem Testspiel Begriffszettel verschoben wurden, dann sagt uns das, dass Gewalt grundsätzlich individuell und subjektiv ist und unterschiedlich empfunden werden kann. Das kann verschiedene Gründe haben, wie unterschiedliche Moral- und Wertvorstellungen, ethische und weltanschauliche Ansichten, eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen aus der sozialen Entwicklung und  Erziehung u.v.m.

 

Die Definition von Gewalt im Antigewalttraining

In unserem Moral- und Wertesystem gibt es unterschiedliche Definitionen zu Gewalt, abhängig davon, wofür sie gebraucht werden. So besteht eine Definition für medizinische Zwecke, eine andere für juristische Belange und wiederum eine für sozialwissenschaftliche Sichtweisen. Die meisten sind seitenlange Formulierungen

Ich möchte mich hier einem Auszug aus einer humanistischen Gewaltdefinition des Soziologen und Psychiaters Professor Dr. Friedrich Hacker bedienen, auf die ich mich in meinen Antigewalttrainings beziehe:

 

„Gewalt ist, wenn jemand physisch oder psychisch Macht auf eine Person ausübt und wenn diese infolgedessen in ihrer Entscheidung nicht mehr uneingeschränkt frei ist.“

 

Jetzt kann sich jeder einmal fragen: “Wann habe ich mich das letzte Mal in meinen Entscheidungen uneingeschränkt frei gefühlt?“ Oder anders gefragt: „Wann habe mich das letzte Mal so richtig glücklich gefühlt?“

 

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie selbst verantwortlich für Ihr Glück und glücklichere Beziehungen sind. Dass Sie zum Glück in Gemeinschaften und unserer Gesellschaft etwas beitragen können und Sie sich wünschen, dass Ihnen das häufiger gelingen soll, dann können Sie sich einmal folgende Fragen stellen:

 

Ist mein Tun …

  • … mir und der Menschheit zuträglich?
  • … anteilnehmend an mein Gefühls- und Bedürfnisleben und das der anderen?
  • … mutig? Hat es Harmonie? Hat es Humor?
  • … respektabel bezüglich des Einbeziehens weiblicher und männlicher Ressourcen?
  • … würdigend der Dinge, wie sie sind?
  • … positive Energie ausstrahlend?
  • … Ermutigung zu mehr Liebe, Frieden oder zu Angst?
  • … gewinnbringend, ohne dass ein anderer dabei verliert? Kann ich win-win-Situationen schaffen?
  • … inspirierend zu mehr Freude und Gemeinschaft oder zu mehr Feindseligkeit und Konkurrenz?
  • … uvm.

Wenn Sie sich eine oder mehrere dieser Fragen mit „Nein“ beantworten können, dann sind Sie eingeladen an meiner Antigewalttrainer-Ausbildung teilzunehmen, um Ihr Glück bald selbst zu navigieren.

 

Erfahrungsgemäß ist klar, dass jede Reaktion auf Gewalt mit Gewalt reaktiv weitere Gewaltketten auslöst. Das hat uns die Evolutionsgeschichte zu häufig bewiesen.

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